Vom Handy zurück zum Buch und warum YA-Romane boomen

Wer in den letzten Jahren eine Buchmesse besucht hat, konnte beobachten, dass ein erfreulicher Trend die Branche belebt: Die Stände von Verlagen mit Young-Adult-, New-Adult-, Fantasy- und Romantasy-Programmen werden zunehmend zu Publikumsmagneten. Junge Menschen warten in langen Schlangen geduldig auf Signierstunden, diskutieren über ihre Lieblingsfiguren und tragen stolz Romane unter dem Arm, die mehrere hundert Seiten umfassen. Wer noch vor wenigen Jahren behauptete, die Jugend lese nicht mehr, muss seine Einschätzung wohl überdenken.Tatsächlich sprechen die Zahlen eine deutliche Sprache. Laut dem
Börsenverein des Deutschen Buchhandels gehören junge Leserinnen und Leser inzwischen zu den wichtigsten Wachstumstreibern auf dem Markt und sorgendort für neue Impulse. Lesen scheint also keineswegs ein Auslaufmodell zu sein – eine Auswertung von Eurostat zeigt sogar, dass die Altersgruppe der 16-bis 29-Jährigen innerhalb der Europäischen Union häufiger zu Büchern greift als ältere Generationen.

Die Frankfurter Buchmesse reagierte bereits auf die enorme Nachfrage rund um sogenannte „BookTok“-Titel und schuf eigene Bereiche für diesen Boom. Social-Media-Plattformen wie TikTok haben sich längst zu modernen Buchempfehlungszentren entwickelt. Millionen junger Menschen tauschen dort Leseerfahrungen aus, empfehlen Bücher weiter und machen Autorinnen und Autoren über Nacht bekannt.Dennoch drängt sich die Frage auf: Handelt es sich bei der aktuellen
Entwicklung nur um ein vorübergehendes Phänomen? Oder dürfen wir uns tatsächlich über ein langfristiges Comeback des Buches freuen? Kurzlebiger Hype oder nachhaltiger Trend? Modeerscheinung oder Zeitenwende?

Zukunftsforscher behaupten, dass viele junge Menschen das Lesen nicht trotz, sondern teilweise sogar wegen der sozialen Medien neu entdecken. Viele Plattformen machen Lesen sichtbar, schaffen Gemeinschaften und vermitteln das Gefühl, Teil einer großen Gruppe Gleichinteressierter zu sein. Bücher werden wieder Gesprächsthema. Sie werden empfohlen, gesammelt, verschenkt und leidenschaftlich diskutiert.Vielleicht steckt darin auch eine Erkenntnis, die manchem erst mit zunehmendem Alter bewusst wird: Zeit ist unsere wertvollste Ressource. Je älter man wird, desto sorgsamer geht man mit ihr um. Es wird genauer überlegt, womit man seine Stunden verbringt und welche Dinge wirklich einen nachhaltig positiven Eindruck im Leben und Denken hinterlassen.

Kulturwissenschaftler stehen der neuen Dynamik allerdings nur vorsichtig optimistisch gegenüber – zu Recht. Wer häufiger in Wartebereichen wie am Bahnhof oder beim Arzt sitzt, kann immer wieder folgende Beobachtung machen: Die Eltern blicken auf ihre Smartphones, die Kinder erhalten ebenfalls ein Handy oder Tablet, damit die bewegten Bilder sie beschäftigen. Die Folgen für Fantasie, Konzentrationsfähigkeit und Sprachentwicklung werden von Fachleuten seit Jahren diskutiert. Nur selten sieht man jemanden vorlesen oder gemeinsam mit den Kleinen durch ein Bilderbuch blättern. Natürlich handelt es sich dabei nur um Momentaufnahmen. Doch sie werfen eine Frage auf: Welche Entwicklung wird blockiert, wenn schon im frühen Alter Bücher durch Bildschirme ersetzt werden?

Ein gutes Buch schenkt weit mehr als bloße Unterhaltung. Es erweitert den Wortschatz, trainiert Konzentration und Fantasie, vermittelt Wissen und eröffnet neue Perspektiven. Vor allem aber schenkt es etwas, das in einer hektischen Welt immer kostbarer wird: ungeteilte Aufmerksamkeit.Es bleibt also zu hoffen, dass der aktuelle Boom der Young-Adult-Literatur mehr ist als nur ein kurzfristiger Trend. Vielleicht zeigt er, dass Geschichten auch im digitalen Zeitalter nichts von ihrer Anziehungskraft verloren haben.

Und das ist eine ausgesprochen gute Nachricht – nicht nur für Autorinnen und Autoren, sondern für die Gesellschaft insgesamt.

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Über Frauen, Schreiben und Sichtbarkeit